Nadja war 47 Jahre alt, als sie im Dezember 2017 mit einer Veränderung in der linken Brust zur Mammographie überwiesen wurde. Sie erinnert sich noch genau, wie mit diesem Moment eine schnell und gut getacktete Maschinerie ins Rollen gebracht wurde. „Man hat nicht sehr viel Zeit nachzudenken, merkt aber auch den plötzlichen behutsameren Umgang des medizinischen Personals. Es ist ein `Kippmoment`“, erinnert Nadja sich an die Situation, in der Ärzte untereinander kommunizierten und Hand in Hand arbeiteten, um zügig Klarheit zu schaffen.
Die Biopsie sollte Aufschluss über die Diagnose bringen und hörte sich zunächst erschreckend an. Der Eingriff selbst war nicht schmerzhaft und die Tage der Ungewissheit bis zum Erhalt des Ergebnisses waren nicht von Angst oder Verzweiflung gekennzeichnet, sondern wie beim Tunnelblick auf den nächsten Schritt gerichtet. Rückblickend erkennt sie, dass sofort ein Schutzmechanismus einsetzte, der sie dazu brachte, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und die schlimmen Gedanken von sich fernzuhalten.
Nach etwa einer Woche erhielt Nadja den Befund mit der Erkenntnisse: Bösartiger Brustkrebs im Anfangsstadium. Der Arzt in der Klinik setzte direkt einen Operationstermin zehn Tage später an, bei dem der Tumor und ebenso der Lymphknoten in der Achselhöhle entnommen wurden.
Nadja hatte großes Glück, denn die Untersuchung ergab, dass eine Chemotherapie nicht nötig sein würde. Allerdings musste sie einige Monate später, nachdem die erste Wundheilung abgeschlossen war, eine regelmäßige und unangenehme Strahlentherapie absolvieren, und als weitere Therapie war die Einnahme von Tamoxifen in den folgenden 5 Jahren vorgesehen, mit den entsprechenden Nebenwirkungen.
Die Nachsorgeuntersuchungen waren zunächst sehr engmaschig getacktet. Alle drei Monate wurde ihr Zustand kontrolliert, dann irgendwann halbjährlich und mittlerweile nur noch einmal im Jahr. Aus einem eigenen Sicherheitsgefühl geht Nadja jedoch weiterhin halbjährlich zur Kontrolle.
Alles scheint überstanden, Nadja geht es gut und die Erinnerung an die schwierige Zeit kommt nur noch ab und zu hoch. Was sichtbar bleibt, sind zwei kleine feine Narben als Erinnerung.
Wenn Nadja ihre Narben betrachtet, kann sie sich nicht auf ein Gefühl festlegen, dass sie in ihr auslösen. Einerseits stehen sie für die Angst und das Gefühl, dass das Leben von einem Moment auf den anderen auf der Kippe stehen kann, sie erinnern an die anderen Frauen, die sie während ihrer Brustkrebs-Reha kennengelernt hat und die nicht so glimpflich davongekommen sind und an diejenigen, die nicht mehr da sind. An anderen Tagen wiederum vermitteln die Narben ihr das Gefühl einer Kämpferin. Sie stehen dann für Heilung, Hoffnung und das Glück, am Leben zu sein.
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