Liane


Schwangerschaftsstreifen

Liane steht mit ihrem Körper schon ihr ganzes Leben auf Kriegsfuß. Als Kind und Jugendliche fühlte sie sich zu dick und wurde über ihre Figur definiert. Das wirkte sich auch auf ihr Selbstbild und ihr Essverhalten aus. „Ich hatte auf jeden Fall eine Essstörung oder zumindest nie einen normalen Bezug zum Essen.“ In ihren schlimmsten Zeiten versuchte sie sich mit Energydrinks und Zigaretten schlank zu halten und auf normales Essen zu verzichten. Zufrieden war sie „in guten Zeiten“ nur mit ihrem Bauch, der immer recht schlank und flach blieb. Doch mit der Geburt ihres ersten Sohnes kamen die Risse und Schwangerschaftsstreifen und die Haut wurde gedehnt und weich. Doch gleichzeitig kam mit der Mutterschaft auch die Erkenntnis, dass sie ihren Körper mehr annehmen und an ihrem Selbstbild arbeiten sollte.

„Mein Körper war schon immer für mich ein Thema, zu dem ich nie einen positiven Bezug hatte. Erst wurde mir immer gesagt, ich bin zu dick, als Kind oder Jugendliche. Dann habe ich stark abgenommen und es hieß immer ’na das reicht jetzt aber. Du bist ja schon viel zu dünn’. Der Bauch und Oberkörper waren für mich immer ein Bereich, der noch irgendwie gut aussah. Die Beine waren immer dick, da konnte ich machen was ich will. Und dann geht der einzige Teil den ich an meinem Körper wirklich mag kaputt und reißt ein."

Liane weiß, dass dieses Bild falsch ist und trotzdem bekommt sie es nur schwer aus dem Kopf. Es hat sich seit ihrer Kindheit festgesetzt und ist für sie schwer zu durchbrechen. „Ich will, dass es meinen Kindern anders geht und sie eine positive Einstellung zu ihrem Körper haben und nicht immer denken ’so bin ich nicht richtig’.“

Wirklich zufrieden ist Liane mit ihrem Körper und insbesondere mit ihrem Bauch auch heute noch nicht. Aber sie arbeitet daran, sich selbst mehr zu akzeptieren und ein gesünderes Selbstbild zu bekommen. Denn genau so sehr, wie mit sich und ihrem Körper, hadert sie auch mit ihrer Einstellung und Lebensweise, die sie ihre ganze Jugend geprägt haben. „Mittlerweile denke ich mir es ist so schade, weil man so viel Zeit in so Unwichtiges investiert hat und das auch so viel kaputt gemacht hat.“ Die Schwangerschaftsstreifen an ihrem Bauch sind letztendlich nur das i-Tüpfelchen für sie gewesen, doch vielleicht gerade auch deswegen ein Teil an ihr, mit dem sie besonders zu kämpfen hat. „Ich habe auch schon häufiger darüber nachgedacht es operieren zu lassen. Aber irgendwie denke ich, OPs die nicht unbedingt nötig sind, sollte man vielleicht einfach sein lassen.”

„Wenn ich mich wiege sehe ich mich mit 58 nicht anders als mit 92 Kilo. Alle sagen du hast abgenommen aber du selbst kannst es nicht glauben. Du siehst im Spiegel keinen Unterschied.“




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